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Fragen /
Antworten – Internetrecht, Interview
BILD Hannover/RA Graße, "Sicher surfen im Internet", Ausgabe:
Freitag, 16.03.2007 und anschließender Experten-Hotline
Bearbeiter: Fragen, (Bild Hannover), Antworten: Rechtsanwalt Maik
Graße, Hannover
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Rechtsanwalt Graße |
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Schiffgraben 42 30175 Hannover
Telefon: 0511 / 2287680 Telefax: 0511 / 2287682
Internet:
www.ra-grasse.de |
1) Kann ich mir problemlos Filme oder Musik aus dem Internet herunter laden? Worauf muss ich dabei achten?
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Filme und Musik sind grundsätzlich urheberrechtlich
geschützt und der Urheber entscheidet, was er kostenlos anbietet, um
beispielsweise seine Werke bekannt zu machen. Man denke
beispielsweise an den Schnappi-Song, der durch Tauschbörsen erst
berühmt wurde; aber legal war dessen Verbreitung dennoch nicht; sie
wurde wohl eher nur geduldet. Newcomer-Bands bieten hingegen häufig
kostenlose Demostücke ihrer Musik zur Verbreitung an. Vorsicht ist
immer dann geboten, wenn man Musik oder Filme kostenlos laden
könnte, die im Handel nur gegen Geld zu haben sind. Komplette Alben,
Songs aus den Charts und aktuelle Kinofilme wird man kaum in voller
Länge und Studioqualität kostenlos und legal erhalten. Finger weg
von File-Sharing-Programmen, Online-Tauschbörsen und ähnlichem, wenn
dort illegal Musik oder Filme kostenlos angeboten werden. Inzwischen
werden diese Tauschbörsen teilweise automatisiert überwacht, d.h. es
laufen Roboterprogramme, die illegale Downloads verfolgen, die
IP-Adressen der Nutzer speichern und automatisiert Abmahnungen und
Strafanzeigen erstellen.
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2) Ich habe auf meiner Web-Seite einen Link
zu einer anderen Seite gesetzt. Was muss ich beachten?
| Grundsätzlich darauf achten,
dass man keine Links zu illegalen Inhalten setzt (illegale
Tauschbörsen, illegale Kopierschutz-Umgehungssoftware,
Kinderpornographie, verbotenen Organisationen usw.). |
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3) Ich verkaufe in Internet-Auktionshäusern
verschiedene Sachen. Muss ich die Gewinne versteuern? |
Ja, wenn man dies gewerblich macht, dann sind Einnahmen
grundsätzlich zu versteuern. Die Steuerfahndung interessiert sich
aber weniger für diejenigen, die unregelmäßig Gebrauchtes anbieten;
gefährlich wird es für Anbieter, die regelmäßig und mit
Gewinnerzielungsabsicht handeln. Einkommenssteuer kann schon bei
Gewinnen über 511 EUR fällig sein und bei gewerblicher Tätigkeit
können dazu noch Umsatz- und Gewerbesteuer geschuldet sein. Eine
Grenze ist z.B. ein Jahresumsatz von 17.500 Euro, der nach § 19 Abs.
1 UStG zur Umsatzsteuerpflicht führt. In § 23 Abs. 3 S. 6 EStG heißt
es: „Gewinne bleiben steuerfrei, wenn der aus den privaten
Veräußerungsgeschäften erzielte Gesamtgewinn im Kalenderjahr weniger
als 512 Euro betragen hat“ (gemeint sind hier sog.
Spekulationsverkäufe). Im Zweifel vorher anwaltlichen Rat einholen,
den Steuerberater fragen oder beim Finanzamt anrufen.
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4) Ich habe im Internet ein Autoradio
gekauft. Jetzt stellt sich heraus, dass es gestohlen war, ich habe
eine Anzeige wegen Hehlerei erhalten. Warum? |
Wer wissentlich Diebesgut ankauft macht
sich strafbar. Die entscheidende Frage ist, ob man erkennen konnte,
dass es sich um Diebesgut handelt. Bei einem unprofessionell
herausgerissenem Autoradio ohne Bedienelement und abgeschnittenen
Kabeln sollte man sich schon mal fragen, wo das Radio wohl
herkommt. |
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5) Worauf muss ich bei Einkäufen in
Internet-Auktionshäusern achten, damit alles legal bleibt? |
Da auch bei Internet-Auktionen niemand etwas zu verschenken hat,
sollten die Alarmsirenen angehen, wenn etwas besonders günstig oder
eigentlich nicht frei erwerblich ist: Vorsicht bei neuwertiger
Markenware und rezept-pflichtigen Arzneien.
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6) Mein Sohn (12) hat im Internet unter
meinem Namen ein Auto für 12.000 Euro ersteigert. Ist der
Kaufvertrag trotzdem gültig? Wenn ja, wie komme ich da wieder
raus? |
Nein, der Vertrag ist schwebend unwirksam
und ohne elterliche Genehmigung bleibt er unwirksam. Aber Eltern
dürfen Ihre Aufsichtspflicht nicht verletzen, sonst droht ggf.
Schadensersatz. Rein vorsorglich sollte man auch von seinem
Widerrufsrecht gebrauch machen. In einem ähnlichen Fall half der
Widerruf meinem Mandanten sich von einem in einer Sektlaune weit
überteuert ersteigerten Neuwagen wieder zu lösen. |
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7) Ich habe für eine Schülerzeitung Fotos
aus dem Internet herunter geladen und veröffentlicht - darf ich das
einfach so? |
Nein, ebenso wie Musik und Filme sind auch
Fotos urheberrechtlich geschützt und der Urheber entscheidet, wer
seine Werke veröffentlichen darf und wer nicht. Mit der
Googlebildsuche werden immer häufiger Fotodiebe ausfindig
gemacht. |
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8) Wie ist das mit Webseiten, die
vermeintliche Gratis-Angebote später „laut AGB“ oder
„Kleingedrucktem“ doch bezahlt haben wollen(z.B.
www.iq-test-gratis.de oder //www.wirst-du-alt.com)? |
Wenn Preisangaben in den AGB versteckt werden, hat man gute
Chancen, nicht zahlen zu müssen. In den meisten Fällen rate ich
meinen Mandanten, es hier auf eine Klage ankommen zu lassen und die
Beweise zu sichern (Webseite und AGBs ausdrucken). Aber dazu bedarf
es auch guter Nerven, weil die unseriösen Betreiber von
Gratislockangeboten meist mit hartnäckigen Inkassobüros
zusammenarbeiten, von deren Mahnungen sich schon mancher hat weich
kochen lassen. Eine Rechtsschutzversicherung im Rücken macht es
Ihrem Anwalt leicht, sich gegen unberechtigte Forderungen zu
wehren.
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9) Ich bekomme Kinder-Porno-Emails oder
Mails, in denen mir illegale Dinge angeboten werden. Was soll ich
tun? |
Erstatten Sie Strafanzeige bei der Polizei.
Inzwischen kann man auch in Niedersachsen online Strafanzeige
erstatten (https://www.polizei.niedersachsen.de/onlinewache/index.php). |
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10) Woran erkenne ich seriöse Ebay-Anbieter
/ Angebote? |
Zunächst kann man darauf achten, wieviele Transaktionen der
Anbieter in der Vergangenheit getätigt hat und wie lange er schon
angemeldet ist. Dann das Verhältnis zwischen Anzahl der
Transaktionen und negativen Bewertungen prüfen. Weiter hilft häufig
auch ein Blick in das Impressum bei gewerblichen Anbietern. Vorsicht
bei Anbieteradressen aus dem Ausland oder wenn der Verkäufername vom
Namen des Kontoinhabers abweicht. Verlangen Sie Fotos von der Ware
und vertrauen Sie nicht auf Fotos, die der Ware nur „ähnlich sind“.
Bei gebrauchter hochwertiger Markenware bestehen sie auf Vorlage der
Originalrechnung.
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11) Gibt es Stellen oder Institutionen, an
die sich betrogene Internet-Käufer / Verkäufer wenden können,
vielleicht auch welche die mich kostenlos beraten? |
Erste Anlaufstelle für die Meldung von Betrugsfällen ist die
Polizei. Die Strafverfolgungsbehörden sind gehalten, hier vorzugehen
und die Politik muss Ihnen das dafür erforderliche Personal und
Material bereitstellen. Eine Meldung beim Auktionshaus kann weitere
Betrugsfälle vermeiden helfen und bei eBay hilft ggf. der sog.
Käuferschutz, bei dem ein Teil des Kaufpreises erstattet werden
kann. Tipps erhalten Sie auch bei den Verbraucherzentralen.
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12) Können Sie auch Fragen zum
Online-Banking beantworten? Z.B.: Mit einer Phishing-Mail
ergaunerten Unbekannte meine Kontodaten, hoben dann 2000 Euro von
meinem Konto ab. Bekomme ich das Geld wieder? |
Bisher gibt es dazu wenig Rechtsprechung und die Ansichten sind
unterschiedlich; die Bank wird sich darauf berufen, dass sie nicht
sorgfältig genug mit PIN und TAN umgegangen sind. Häufig werden
diese Fälle aber ohne Rechtsstreit auf Kulanzbasis geregelt. Meines
Erachtens müsste massiver gegen die Versender von Phishing-Mails
vorgegangen werden. Der Bürger wird hier machtlos Trickbetrügern
ausgesetzt und wie die aktuelle Pishingflut zeigt, werden es eher
mehr als weniger. Und was erschreckend ist: sie werden immer besser.
Konnte man früher noch die Pishingmail daran erkennen, dass die
Texte grottenschlecht übersetzt und voller Fehler waren, findet man
heute immer häufiger exzellent gemachte Pishingmails, fehlerlos und
glaubwürdig. Erst letzte Woche habe ich selbst eine neue
Pishingvariante erhalten, die mir den Ausfall des Onlinebanking am
Folgetag vorgaukelte und meine Bankdaten abrufen wollte. Hier hilft
nur der Grundsatz: Öffnen Sie keine E-Mails von Banken und vor allem
geben Sie dort NIEMALS Bankdaten ein!
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Mein Rat zum Schluss: Bleiben Sie
skeptisch und seien sie schlauer als die
Bauernfänger!
Rechtsanwalt
Graße
Schiffgraben 42
30175 Hannover - T. 0511 - 228 76
80
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Artikel vom 16.03.07

Linkempfehlungen:
Gute Seite zum Thema illegale
Musikdownloads:
http://www.palm-bonn.de/musik.htm
Hehlerei – eBay – Werkzeuge von
Continental:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,470436,00.html
Betrug mit scheinbar kostenlosen
Internetservices:
http://www.computerbetrug.de/news/060908_01.php
e-Bay und Finanzamt
http://www.swr.de/ratgeber-recht/archiv/2006/11/18/index1.html
http://www.geizkragen.de/magazin/geld-verdienen/teil-5-wie-das-finanzamt-ebay-user-unter-die-lupe-nimmt/C31-L13565.html
http://rhein-zeitung.de/on/06/01/21/service/computer/r/ebay-2.html?a
Privates Veräußerungsgeschäft /
„Spekulationssteuer“
http://de.wikipedia.org/wiki/Spekulationsgesch%C3%A4ft
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